Das Zählen der Bäume

Gestern lag noch Schnee auf den Bäumen – so wie kaum einmal in diesem Jahr. Das Wetter ist wechselhaft, man weiss nicht, ob es Winter oder Frühling ist. Die ersten Kräuter und Sträucher spriessen, doch die Bäume warten noch. Sie haben Zeit, sie haben es nicht eilig. Sie wissen: Zu früh zu spriessen kann das Leben kosten. Denn der Frost tötet die frischen, zarten Blätter – und im schlimmsten Fall den ganzen Baum, wenn die Wasserleitbahnen platzen.

Kräuter und Sträucher nutzen die Gunst der Stunde, um das Licht einzufangen, das noch auf den Boden fällt. Doch wenn die Buchen erwachen, gehört das Licht ihnen.

Die kleinen, feinen Blätter der Buche sind seit letztem Jahr in den Knospen dicht verpackt und warten auf die richtige Tageslänge. Sie lassen sich nicht von der Temperatur täuschen, denn diese könnte bereits im Januar zum Treiben verleiten. Stattdessen verlassen sie sich auf die Länge der Tage – das haben sie gelernt, über die Millionen Jahre Geschichte, die sie in ihren Genen tragen. Sie zählen. Erst ab etwa 13 Stunden Licht pro Tag wachen sie auf.

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