Die Stille

Die stille der Bäume berührt mich zutiefst. Sie stehen da, ohne zu denken, ohne Fluchtmöglichkeiten, ohne zu reden, für Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende. Sie haben die ausgeklügelten Lebensstrategien entwickelt und bewohnen und gestalten unseren Planeten seit über 300 Millionen Jahren ohne Gehirn, ohne Mund und ohne Beine. Sie können ohne Gehirn Entscheidungen treffen, ohne Mund Informationen austauschen und ohne Beine die Erde besiedeln. Ihr langjähriges Sein, ihre Grösse, ihre Standhaftigkeit, ihre Ruhe schenken mir Vertrauen. Die Stille der Bäume verbindet mich mit der Natur, lässt mich ihre Sprache lauschen, die Sprache des Lebens. Diese Sprache erzählt mir von der Geburt und vom Tod, vom Licht und der Dunkelheit, vom Spriessen und vom Welken, vom Nehmen und vom Loslassen. Es gibt kein unendliches Wachstum, kein unendliches Leben. Alles ist beschränkt, alles hat seinen Platz, alles seine Endlichkeit. Es sind die Momente, wo ich mich eins fühle mit dem Leben, mit dem Baum, mit dem Wald, mit dem Universum. Wo Raum und Zeit sich auflösen und ich einfach nur bin. Die Stille hat mich des Augenblickes gewahr gemacht. In ihr höre ich das Flüstern der Insekten, das Gurgeln der Bäume, das Atmen der Blätter, die Berührung des Windes, die Kraft des Wassers, die Flüchtigkeit der Schneeflocken, den Schleier des Nebels, die Wärme der Sonne, den Klang der Nacht. Die Stille ist eine grosse Offenbarung.

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